| Meine erste Fahrt mit dem Spielmannszug / Fanfarenzug nach Wasungen. Eine wirklich wilde Zeit. Mit meinen nun gerade 16 Jahren habe ich mein erstes Bier getrunken, meine erste Zigarette geraucht, bis in die Puppen an den Karnevalsveranstaltungen teilgenommen und so richtig das Gefühl gehabt nun beginnt das Leben. Sicherlich nicht die Vorstellung, die unsere Eltern von einer Reise ins Probenlager hatten aber andererseits waren wir in dieser Gemeinschaft gut aufgehoben. Im Vordergrund stand auf jeden Fall die Musik. Die Zeit wurde tatsächlich mit vielen Proben verbracht. Der Karneval war immer so das I-Tüpfelchen das zufälliger weise in diese Probenzeit fiel. Wenn kein Karneval war, sind wir viel rodeln gegangen, haben Wanderungen gemacht (auch die eine oder andere Nachtwanderung). Oberhof war immer mit im Programm–eine Tour auf die große Schanze, der Blick nach unten – unvergesslich. Es gab viele, viele Schneeballschlachten und abends halt immer mal eine Tour in eine der elf Wasunger Kneipen. Die Karnevalszeit, wie in der ganzen Welt–Ausnahmezustand. Bei den Festumzügen waren wir natürlich glücklich, wenn uns bei der bibbernden Kälte jemand über den Weg lief, der uns einen wärmenden Schnaps angeboten hat. Abends dann die große Veranstaltung in der Turnhalle. Da kann ich mich noch erinnern, wie ich bei den vielen Reden immer nur Bahnhof verstanden habe. Die Leute haben wie wild gelacht - aber worüber? Das echte Wasungisch versteht kein normaler Mensch. An das Motto 1975 kann ich mich noch gut erinnern, da es ja mein erster Karneval war – Hüt packen mas – und der Karnevalsruf Ahoi war für mich lange Zeit der einzig gültige. Irgendwann im Laufe meines Lebens habe ich gelernt, dass es auch noch Helau und Alaaf und andere gibt. Übrigens – normalerweise waren wir in der Schule in den einzelnen Klassenzimmern aufgeteilt, ca. 10-15 Leute pro Zimmer aber bei dieser ersten Reise die ich mitmachte war nach unserer Anreise noch ein Tag Schule. So sind wir (an die 100 Leute) an dem Abend als wir ankamen erst mal alle in die Turnhalle gezogen. Eine Erfahrung, die auch heute noch jedes Orchestermitglied immer wieder neu macht. Besonders toll an der Schule in Wasungen war, dass es dort eine Schwimmhalle gab. Wie es da zugegangen ist, wenn wir alle abends noch mal Baden gegangen sind ist für viele auch ein unvergessliches Erlebnis. |