Carola Borrmann,   Klarinette

Meine erste Fahrt  mit  dem Spielmannszug / Fanfarenzug  nach  Wasungen. Eine wirklich
wilde Zeit. Mit meinen nun gerade 16 Jahren habe ich mein erstes Bier getrunken, meine
erste Zigarette geraucht, bis in die Puppen an den Karnevalsveranstaltungen teilgenommen
und so richtig das Gefühl gehabt nun beginnt das Leben.
Sicherlich nicht die Vorstellung, die unsere Eltern von einer Reise ins Probenlager hatten
aber andererseits waren wir in dieser Gemeinschaft gut aufgehoben. Im Vordergrund stand
auf jeden Fall die Musik. Die Zeit wurde tatsächlich mit vielen Proben verbracht.
Der Karneval  war  immer so das I-Tüpfelchen das zufälliger weise in diese Probenzeit fiel.
Wenn kein Karneval war, sind wir viel rodeln gegangen, haben Wanderungen gemacht
(auch die eine oder andere Nachtwanderung). Oberhof war immer mit im Programm–eine
Tour  auf  die  große  Schanze,  der Blick  nach  unten – unvergesslich.  Es gab viele, viele
Schneeballschlachten  und  abends  halt  immer  mal  eine Tour in eine der elf  Wasunger
Kneipen. Die Karnevalszeit, wie in der ganzen Welt–Ausnahmezustand. Bei den Festumzügen
waren wir natürlich glücklich, wenn uns bei der bibbernden Kälte jemand über den Weg lief,
der uns einen wärmenden Schnaps angeboten hat. Abends dann die große Veranstaltung in
der  Turnhalle. Da  kann  ich  mich  noch erinnern,  wie  ich  bei  den  vielen Reden immer nur
Bahnhof verstanden habe. Die Leute haben wie wild gelacht - aber worüber?
Das echte Wasungisch versteht kein normaler Mensch. An das Motto 1975  kann ich mich noch
gut erinnern, da es ja mein erster Karneval war – Hüt packen mas – und der Karnevalsruf Ahoi
war  für  mich  lange  Zeit  der  einzig  gültige. Irgendwann im Laufe meines Lebens habe ich
gelernt, dass es auch noch Helau und Alaaf und andere gibt.
Übrigens – normalerweise waren wir in der Schule in den einzelnen Klassenzimmern aufgeteilt,
ca. 10-15 Leute pro Zimmer aber bei dieser ersten Reise die ich mitmachte war nach unserer
Anreise noch ein Tag Schule. So sind wir (an die 100 Leute) an dem Abend als wir ankamen erst
mal alle in die Turnhalle gezogen. Eine Erfahrung, die auch heute noch jedes Orchestermitglied
immer wieder neu macht. Besonders toll an der Schule in Wasungen war, dass es dort eine
Schwimmhalle gab. Wie es da zugegangen ist, wenn wir alle abends noch mal Baden gegangen
sind ist für viele auch ein unvergessliches Erlebnis.