| Uwe Borrmann, Posaune Im Februar 1968 fuhren wir das erste mal in ein sogenanntes "Spezialistenlager". Es ging nach Neuhausen im Erzgebirge. Aus dem Ausstattungskram der Volksbildung Köpenick sind mir noch die Winkelstahldoppelstockbetten und die schon etwas verbrauchten Matratzen und Decken in Erinnerung (war'n wohl Pferdedecken). Trotzdem haben wir fleissig an den Titeln geübt und wenn das Wetter es zuliess haben wir im Freien schon mal eine Marschstrecke abgemetert. Im März 1968 ging's zurück in die Wuhlheide. Jetzt erfolgten vorrangig Marschproben auf der Strasse in der Wuhlheide, runter bis zur Grossküche, dann links schwenk zur Freilichtbühne. An der Freilichtbühne kehrt und den Weg wieder zurück. Dabei immer Marschserie-Locken Fanfare hoch-Marsch1-Fanfare runter-Marschserie usw. ( herrje, immer das Gebrülle "Gleichschritt, falscher Fuss, Kopf hoch ..."...). Ich gehörte dann auch zu den Erlauchten, die mit dem Tambourstab vorne die Zeichen geben. Lief eigentlich sehr gut.
Gleich Anfang März 1968 wurde ich an einem Dienstag in meiner Schule zum Sekretariat gerufen Auf dem Weg dorthin dachte ich "Mein Gott, was habe ich denn jetzt wieder ausgefressen?". Steht doch da Helmut Wahsner. Also Schulklamotten einpacken und mitkommen. Wir gehen rüber zum Amtsgericht, dort war ein Org.-Büro eingerichtet und Helmut eröffnete mir, dass wir gleich mit dem "Barkas" (damals fuhr schon der Herr Neichsner für die Volksbildung) nach Friedrichshain fahren und dort die neu eingeführten Pionieruniformen abholen. Die Einkleidung des Fanfarenzuges wird vorgezogen, unser erster Auftritt ist nicht der 1. Mai, sondern wir marschieren schon am 6. April 1968 zum Tag der Volksabstimmung zur Verfassung der DDR. Ich habe nach dem ausladen im Probeobjekt gleich als Erster meine Klamotten erhalten. Tags darauf begann die Einkleideaktion, während der Proben wurden immer zwei rausgeholt und mussten zur Einkleidung. Am 6. April 1968 trat der Fanfarenzug Köpenick das erste mal in der Öffentlichkeit auf. Wir haben uns schon früh getroffen und es war kalt und trüb. Mit einem LKW (H3A) fuhren wir mit offener Pritsche von Schule zu Schule (dort waren die Abstimmungsräume) und machten dort Musik. Immer ein Anmarsch, ein Titel und Abmarsch. In Friedrichshagen liegen die Schulen recht dicht beieinander und wir machten dort einen grösseren Marsch mit Zwischenstop auf dem Marktplatz. Ab da war ich als Stabführer in Aktion. Nachmittags kam ein wenig Sonne auf und wir beendeten den Auftritt in Schöneweide. Ab jetzt gings mit Auftritten los. Zum 1. Mai 1968 marschierten wir vor dem Stadtbezirk Köpenick. Wir trafen uns damals am U-Bhf. Mitte (wieder früh und kühl) und marschierten dann irgendwie in Richtung Marx-Engels-Platz (ist da wo der Palast der Republik war). Anfang Juni Auftritt zur Kreisjugendspartakiade im Stadion in der Wuhlheide. Die sichersten Fanfarenbläser mussten noch zu den Siegerehrungen eine Fanfare blasen. Das klappte ganz gut. Im Oktober haben wir dann im Probeobjekt (hiess damals auch noch Bungalow-Dorf) ein Elternkonzert gegeben. Dies bot sich an, da zu der Zeit die Oktoberferien eingeführt wurden und wir im Bungalow-Dorf eine Art Probelager durchführten. Im Dezember haben wir dann aussermusikalisch statt Probe bei Kakao und Lebkuchen irgendwie etwas weihnachtlich beisammen gesessen. Die sogenannten "Junghelfer", zu denen ich auch gehörte bekamen einen kleinen Geldbetrag für ihre Probenarbeit. Zu der Zeit waren auch endlich 3 Mädchen im Fanfarenzug dabei. |